Fliegenpilz essen zu medizinischen Zwecken

Der lateinische Name des Pilzes, Amanita muscaria, verleiht ihm einen klangvollen Namen. Im deutschsprachigen Raum ist er wohl eher als Fliegenpilz bekannt. Mit seinem auffälligen Auftreten in kräftigem Rot und Weiß ist er wahrscheinlich einer der bekanntesten Pilze weltweit und ein unverwechselbarer Blickfang im Wald. Doch hinter seiner markanten Optik verbirgt sich ein Pilz voller Überraschungen. In diesem Artikel erfolgt eine Auseinandersetzung mit dem Fliegenpilz, wobei insbesondere seine Eigenschaften, seine Rolle in der Natur sowie seine kulturelle und medizinische Bedeutung beleuchtet werden.

Biologie und Ökologie des Fliegenpilzes

Der Fliegenpilz gehört zur Gattung der Wulstlinge (Amanita) und ist in gemäßigten und borealen Wäldern der gesamten Nordhalbkugel verbreitet. Er bildet eine symbiotische Mykorrhiza-Partnerschaft mit verschiedenen Baumarten, darunter Fichten, Tannen, Birken und Buchen. Diese Partnerschaft ermöglicht es dem Pilz, Wasser und Nährstoffe aus dem Boden aufzunehmen, während der Baum im Gegenzug von den zersetzenden Fähigkeiten des Pilzes profitiert.

Überraschende Eigenschaften: Gefährlich oder nützlich?

Obgleich der Fliegenpilz gemeinhin als nicht essbar gilt, unterscheidet sich die Art der Symptome, die lediglich beim Verzehr großer Mengen auftreten kann, von den typischen Pilzvergiftungen. Amanita Muscaria enthält zwei Giftstoffe, die auf das zentrale Nervensystem wirken: Ibotensäure und Muscimol. Diese können in zu hoher Dosierung Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Halluzinationen verursachen. 

Obgleich der Fliegenpilz in roher Form eine gewisse Toxizität aufweist, nimmt er dennoch eine bedeutsame Rolle im Ökosystem ein. Eine Vielzahl von Tieren, darunter Insekten, Nager und sogar einige Säugetiere, konsumieren den Pilz, ohne Vergiftungserscheinungen zu zeigen. Für einige Spezies stellt er offenbar sogar eine regelmäßige Nahrungsquelle dar. Des Weiteren trägt der Pilz durch die Zersetzung organischer Stoffe zum Nährstoffkreislauf im Wald bei. Es stellt sich also die Frage, ob er auch für den Menschen Nutzen bringt und ob man den Fliegenpilz essen kann?

Der Fliegenpilz und die Fliegen 

Es ist schwer zu bestimmen, ob es sich hierbei um einen Mythos oder um die Wahrheit handelt. Der Name „Fliegenpilz“ leitet sich Überlieferungen nach von der traditionellen Verwendung des Pilzes ab. Getrocknete Stücke des Pilzes wurden in Milch eingelegt und zur Abwehr von lästigen Fliegen eingesetzt. Die im Pilz enthaltenen Wirkstoffe führen zu einer Lähmung der Fliegen, sodass diese in der Milch ertrinken. Die Effektivität dieser Methode ist wissenschaftlich jedoch nicht belegt.

Der Fliegenpilz in der Geschichte

Der Fliegenpilz hat eine lange und faszinierende Geschichte in der Mythologie, der Folklore und der Medizin. In zahlreichen Kulturkreisen wurde der Fliegenpilz zudem mit schamanischen Praktiken und religiösen Ritualen assoziiert, wobei seine Heileigenschaften eine wesentliche Rolle spielten. Sein leicht psychedelisches Potential führte zu seiner Verwendung in zeremoniellen Handlungen, um mit der Geisterwelt Kontakt aufzunehmen. In winzigen Dosen verabreicht, kann er zudem psychotische Erkrankungen wie Depressionen und Angstzustände lindern.

Bis vor etwa 150 bis 200 Jahren war das Wissen um die Anwendungsmöglichkeiten des Fliegenpilzes als Heilmittel in weiten Teilen der Bevölkerung präsent. Nach einem speziellen Trocknungsverfahren kann Amanita muscaria nämlich in winzigen Mengen bei der sogenannten Fliegenpilz Mikrodosierung zur Verbesserung der Gesundheit und des Schlafes eingesetzt werden. Des Weiteren kann der Fliegenpilz bei entzündlichen Erscheinungen wie Arthrose und Akne, bei Allergien und Autoimmunerkrankungen sowie bei chronischen Schmerzen eingesetzt werden. Des Weiteren fördert er einen gesunden und erholsamen Schlaf.

Fazit: Der Fliegenpilz – Mehr als nur eine rote Kappe mit weißen Punkten

Der Fliegenpilz ist faszinierend und wartet mit überraschenden Eigenschaften auf. Die Gefährlichkeit des Fliegenpilzes wurde in den letzten Jahrhunderten offenbar deutlich überschätzt. Er ist von Nutzen für das Ökosystem, hat eine lange Geschichte in der Kultur und ist ein Blickfang im Wald. Sein wiederentdecktes Potenzial als vielseitiges Naturheilmittel allerdings verdient unsere Anerkennung und unsere Aufmerksamkeit.